1933 bis 1936 : Entschuldung von Hofbesitzern

aktualisiert 25.07.2014

Offensichtlich am 22.09.1933 beschloss der Danziger Senat Maßnahmen "zur Entschuldung" von verschuldeten Hofbesitzern und Bauern. (Das entsprechende Gesetz oder eine Verordnung ließ sich bislang nicht finden. Ebenso fehlt die Vorgeschichte zu dieser Entschuldungsmaßnahme.)

Daraufhin begannen ab dem 02.10.1933 Hofbesitzer und Landwirte aus der gesamten Freien Stadt Danzig Anträge auf Entschuldung zu stellen. Die Antragsteller wurden mit Namen - z.T. auch mit dem Geburtsnamen der Ehefrau -, Ort sowie der Grundbuchbezeichnung des Grundstücks sukzessive ab der Ausgabe Nr. 78 vom 28.12.1933 im Staatsanzeiger veröffentlicht; ebenso diejenigen, die ihre Anträge zurücknahmen, deren Anträge abgelehnt, deren Anträge zur Prüfung akzeptiert, deren Entschuldungen durchgeführt oder deren Entschuldungsverfahren abgebrochen wurden.

Doch die Durchführungsbestimmungen für eine etwaige Entschuldung einschließlich der Regeln und der Klärung, von welchen Schulden der deutsche Bauer denn "entschuldet" werden könnte, wurden erst in der Ausgabe Nr. 92 vom 28.12.1933 des Staatsanzeigers veröffentlicht siehe unten. Danach ging es im Prinzip die Entschuldung von Krediten, die zur Finanzierung von laufenden Kosten, d.h. von Betriebsmitteln - Dünger, Saatgut, Energie, etc. - bis hin zu gezahlten Löhnen, gedient hatten. Ausgeschlossen waren damit Investitionskredite sowie Konsumentenkredite.

Die zeitliche Differenz zwischen der Aufforderung, Anträge zu stellen, und der Veröffentlichung der Regeln im Staatsanzeiger führte dazu, dass zum einen Anträge wieder zurückgezogen, zum anderen, dass entgegen der Verkündung Anträge noch bis circa April 1924 angenommen wurden.

Das gesamte Verfahren zog sich bis in die erste Hälfte 1936 hin. Die u.a. Zahlen beruhen auf den Nummerierungen, die jedoch unvollständig sind - gegen Ende 1935 gab man das Durchnummerieren auf.

Die formalen Kriterien für eine Entschuldung sind klar. Gab es weitere, nicht formulierte, z.B. politische Kriterien? Einige Ablehnungen deuten dies an.

Die Maßnahme bezog sich auf in den Jahren 1932 / 33 gemachte Schulden. Die Frage ist, was die Ursache dieser Verschuldung der Bauern war. Eine These lautet, dass, da der Danziger Gulden an die Reichsmark gekoppelt und damit gegenüber dem polnischen Zloty überbewertet war, die Bauern des Freistaates nicht mehr konkurrenzfähig waren im Vergleich zu den polnischen Erzeugern.

In der Folgezeit wurde der Gulden dem Zloty 1 zu 1 angepasst.

Eine ungeklärte Frage ist, wie viel Geld im Rahmen dieser Entschuldungsaktion insgesamt geflossen ist. Jedenfalls scheint es weniger gewesen zu sein, als die Bauern erwartet hatten. Bei Wahlen zum Volkstag 1935 schnitt die NSDAP verglichen mit dem Reich relativ schlecht ab.

 

 

Anträge

Rücknahmen

Ablehnungen

Aufhebungen

 

Dzg Höhe

1.041

46 / 4%

106 / 10%

844 / 81%

 

Dzg Niederung

698

23 / 3%

91 / 13%

476 / 68%

 

Gr. Werder

1.301

37 / 3%

90 / 7%

1104 / 85%

 

Danzig - Zoppot

144

15 / 10%

48 / 33%

69 / 48%

 

Gesamt

3.184

121 / 4%

335 / 11%

2.493 / 78%

Staatsanzeiger für die Freie Stadt Danzig. Teil 2,
1933 - 36: Ausgaben, die Anträge auf Entschuldung, Rücknahmen, Ablehnungen, Bewilligungen enthalten

  Nr. 78 vom 15.11.1933 Nr. 82 vom 24.11.1933 Nr. 85 vom 30.11.1933 Nr. 88 vom 09.12.1933 Nr. 89 vom 13.12.1933 Nr. 91 vom 21.12.1933 Nr. 92 vom 28.12.1933

 

Nr. 01 vom 02.01.1934 Nr. 03 vom 10.01.1934 Nr. 04 vom 17.01.1934 Nr. 05 vom 24.01.1934 Nr. 06 vom 31.01.1934 Nr. 07 vom 07.02.1934 Nr. 10 vom 14.02.1934
  Nr. 12 vom 21.02.1934 Nr. 13 vom 28.02.1934 Nr. 16 vom 07.03.1934 Nr. 19 vom 14.03.1934 Nr. 23 vom 21.03.1934 Nr. 25 vom 28.03.1934 Nr. 27 vom 11.04.1934
  Nr. 32 vom 25.04.1934 Nr. 33 vom 02.05.1934 Nr. 34 vom 09.05.1934 Nr. 38 vom 16.05.1934 Nr. 40 vom 23.05.1934 Nr. 42 vom 30.05.1934 Nr. 44 vom 06.06.1934
  Nr. 46 vom 13.06.1934 Nr. 49 vom 20.06.1934 Nr. 51 vom 27.06.1934 Nr. 52 vom 04.07.1934 Nr. 54 vom 11.07.1934 Nr. 56 vom 18.07.1934 Nr. 57 vom 25.07.1934
  Nr. 59 vom 01.08.1934 Nr. 60 vom 08.08.1934 Nr. 61 vom 15.08.1934 Nr. 62 vom 22.08.1934 Nr. 63 vom 29.08.1934 Nr. 65 vom 05.09.1934 Nr. 67 vom 12.09.1934
  Nr. 70 vom 19.09.1934 Nr. 72 vom 26.09.1934 Nr. 73 vom 23.10.1934 Nr. 75 vom 10.10.1934 Nr. 76 vom 17.10.1934 Nr. 78 vom 24.10.1934 Nr. 80 vom 31.10.1934
  Nr. 81 vom 07.11.1934 Nr. 82 vom 14.11.1934 Nr. 84 vom 22.11.1934 Nr. 86 vom 28.11.1934 Nr. 87 vom 05.12.1934 Nr. 89 vom 12.12.1934 Nr. 90 vom 19.12.1934
  Nr. 91 vom 29.12.1934            
  Nr. 03 vom 09.01.1935 Nr. 04 vom 16.01.1935 Nr. 05 vom 23.01.1935 Nr. 06 vom 30.01.1935 Nr. 10 vom 13.02.1935 Nr. 12 vom 20.02.1935 Nr. 13 vom 27.02.1935
  Nr. 15 vom 06.03.1935 Nr. 18 vom 13.03.1935 Nr. 19 vom 20.03.1935 Nr. 20 vom 27.03.1935 Nr. 20 vom 27.03.1935 Nr. 22 vom 03.04.1935 Nr. 26 vom 10.04.1935
  Nr. 28 vom 17.04.1935 Nr. 29 vom 24.04.1935 Nr. 30 vom 02.05.1935 Nr. 36 vom 15.05.1935 Nr. 39 vom 29.05.1935 Nr. 44 vom 12.06.1935 Nr. 48 vom 26.06.1935
  Nr. 49 vom 03.07.1935 Nr. 52 vom 17.07.1935 Nr. 58 vom 21.08.1935 Nr. 58 vom 21.08.1935 Nr. 63 vom 11.09.1935 Nr. 68 vom 02.10.1935 Nr. 72 vom 16.10.1935
  Nr. 79 vom 27.11.1935            
  Nr. 03 vom 15.01.1936 Nr. 10 vom 12.02.1936 Nr. 31 vom 22.04.1936 Nr. 38 vom 20.05.1936 Nr. 53 vom 22.07.1936    

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